Ja, ich will Post aus der Akazienbuchhandung!

Ein Heldinnenepos

Liebe Freundinnen und Freunde
der Akazienbuchhandlung,

ein bisschen sind wir ja mittlerweile an Enttäuschungen gewöhnt. An Absagen, Verschiebungen und Digitalisierungen. Dass die Frankfurter Buchmesse dieser Tage nicht wie gewohnt im großen Rahmen stattfindet, ist aber wirklich schade.
Schade, weil die Buchmesse immer ein wichtiger Moment im Leben von Autoren ist, von aufgeregten Debütanten ebenso wie von mit allen Wassern gewaschenen Bestsellerautoren. Weil sie eine fantastische Möglichkeit für kleinere, unabhängige Verlage ist, auf sich aufmerksam zu machen, und für große Verlagshäuser, die ganz große Show auf die Beine zu stellen. Alles für die Literatur. Und weil sie das Jahreshighlight für Buchhändler ist, die abends nach einem langen Messetag glücklich und müde und leergequatscht im Hornbrillen-und-Rollkragenpullover-Intellektuellen-ICE nach Hause fahren, den Verlagen mühsam abgeschnackte Neuerscheinungen im Gepäck…

Aber: Sie findet statt, die Frankfurter Buchmesse! Auch in diesem Jahr! Online! Zum Beispiel hier:
Buchmesse – Bookfest digital – mit Messe-Livestream den ganzen Samstag lang!
Buchmesse auf Youtube
Und, wer den Messetratsch vermisst, guckt hier:
Messeklatsch mit Ijoma Mangold

Und auch den Deutschen Buchpreis gibt es!
Wir freuen uns mit und für Anne Weber und ihr „Heldinnenepos“ – und stellen Ihnen und Euch gleich noch ein paar weitere Heldinnen vor …

Was für ein Leben! Geboren 1923 in der Bretagne, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, nach dem Krieg Neurophysiologin in Marseille, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung… und noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams. Anne Weber erzählt das unwahrscheinliche Leben der Anne Beaumanoir in einem brillanten biografischen Heldinnenepos. Was treibt jemanden in den Widerstand? Was opfert er dafür? Wie weit darf er gehen? Was kann er erreichen? Ein wichtiges, hochliterarisches Mutmach-Epos! Herzlichen Glückwunsch, Anne Weber!
(Anne Weber, „Annette, ein Heldinnenepos“ Deutscher Buchpreis 2020, 208 S.  Matthes & Seitz 22 €)

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Nicht alle Leben zählen offenbar gleich! Sklaven oder Indigenen im Kolonialismus war streng untersagt, sich zu bewaffnen oder zu verteidigen, was Sklavenhaltern und Kolonialherren selbstverständlich gestattet war: Woher rührt diese historische Kluft zwischen »verteidigungswürdigen« und wehrlosen Körpern, diese organisierte Entwaffnung der Unterworfenen, die bei jedem Befreiungsstreben die Frage der Gewalt aufruft? Vom Sklavenwiderstand bis zum Jiu-Jitsu der Suffragetten, vom Aufstand im Warschauer Ghetto bis zu den Black Panthers und den Queer-Patrouillen zeichnet Elsa Dorlin in ihrem preisgekrönten Buch eine Genealogie der politischen Selbstverteidigung nach, hochpolitisch, philosophisch, streitbar – und mit Blick auf die Zukunft!
(Elsa Dorlin, „Selbstverteidigung. Eine Philosophie der Gewalt“ 315 S.  Suhrkamp 32 €)

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Für die meisten von uns ist es die größte Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren oder eine schwere Krankheit zu bekommen. Doch wie kann ein Leben gelingen, wenn einem beide Katastrophen widerfahren?
Als Anja Caspary die Diagnose Brustkrebs erhält, ist der Schock groß. Doch statt sich mit der Frage nach dem Warum aufzuhalten oder die Krankheit zu verschweigen, nimmt sie ihr Schicksal selbstbewusst in die Hand, trifft unkonventionelle Entscheidungen, immer mit der 100-prozentigen Unterstützung ihrer großen Liebe. Doch da erkrankt auch ihr Lebensgefährte schwer … ein bewegendes Buch darüber, dass ein Leben auch angesichts existentieller Verluste möglich ist. Und darüber, dass eine Liebe den Tod überdauern kann.
(Anja Caspary, “In meinem Herzen steckt ein Speer. Das Jahr, das alles veränderte“ 288 S.  Ullstein 16,99 €)

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Heike Behrend studierte Ethnologie in den politisch bewegten Sechzigerjahren, und ihre Feldforschung führte sie in den folgenden Jahrzehnten vor allem nach Kenia und Uganda. Ob sie über Aids arbeitete, den Einfluss der katholischen Kirche in Uganda oder über Straßenfotografen in Kenia: Ihre „Autobiografie der ethnografischen Forschung“ erzählt keine heroische Erfolgsgeschichte, sondern berichtet von dem, was in den herkömmlichen Ethnografien meist ausgeschlossen wird: von unheroischen Verstrickungen und kulturellen Missverständnissen, von Konflikten und Fehlleistungen – und nicht zuletzt vom Einfluss der Kolonialgeschichte auf die Beziehung zwischen Afrikanerin und Nicht-Afrikanern.
Dieses Buch ist ein Juwel, ein freimütiger Blick auf die Ethnologie als Poetik sozialer Beziehungen und ein Blick auf das ständig verändernde Machtgefüge zwischen Forschenden und den Erforschten, das Heike Behrend ganz unmittelbar am eigenen Leib erfährt. Unser Geheimtipp!
(Heike Behrend, „Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung“ 278 S.  Matthes & Seitz 25 €)

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Aufschlag Petkovic: Eine Toptennisspielerin erweist sich als grossartige literarische Erzählerin …
Tennis als Spiegel des Lebens – in ihrem literarischen Debüt schlägt die ehemalige Top-Ten-Spielerin Andrea Petkovic die Brücke zwischen Sport und Literatur, und begeistert mit klugen, poetischen, berührenden und komischen Geschichten rund um ihr Leben als Tennisprofi, erzählt aber auch Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend in als „Flüchtlingskind“ aus dem ehemaligen Jugoslawien und von ihrer zerrissenen serbisch-deutschen Seele … Eine Entdeckung – nicht nur für Tennisliebhaberinnen und Tennisliebhaber.
(Andrea Petkovic, „Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht. Erzählungen“ 272 S.  Kiepenheuer & Witsch 20 €)

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